Tennisvereine in Bayern stehen vor der Frage: Wie erreichen wir Kinder, die noch nie einen Schläger in der Hand hatten? Ein Modellprojekt an der Grundschule Wendelstein – getragen von der Pickleball Unlimited, dem TSV Wendelstein und gefördert durch den BLSV Mittelfranken – liefert eine überzeugende Antwort: Pickleball als niederschwelliger Einstieg begeistert Kinder für Rückschlagspiele, und der Weg zum Tennis ergibt sich fast von selbst.
Das Konzept: Vier Stunden, die wirken
In den ersten beiden Stunden lernen die Kinder Pickleball kennen – mit leichten Paddles, Lochbällen und kleinen Feldern. Stunde drei und vier bringen den Transfer zum Tennis über Stage-Red-Methodikbälle und Kurzschläger. Im Schuljahr 2025 wurde das Projekt mit drei zweiten Klassen (ca. 70 Kinder) erstmals systematisch evaluiert. Ein methodischer Schlüssel ist das „Zaubernetz" von Lars Haack – eine Gummischnur, die das Netz nachbildet, Anfängerfehler abfedert und so mehr Ballkontakte und höhere Motivation erzeugt. Um ein erstes Stimmungsbild zu gewinnen, wurde im Anschluss eine kleine Befragung unter den teilnehmenden Kindern durchgeführt. Die Ergebnisse (n = 56, 5-stufige Smiley-Skala) sprechen für sich: 89 % der Kinder sind nach dem Projekt von Tennis begeistert, 70 % wollen weitermachen. Keine Marketing-Versprechen – sondern direkte Rückmeldungen der Kinder selbst.
Der BTV hat den Tag in Wendelstein hautnah mitbegleitet:
Two Sports – One Court
Pickleball ins Programm aufzunehmen bedeutet keine Entscheidung gegen Tennis, sondern die Erweiterung um eine der weltweit am schnellsten wachsenden Sportarten. Ein Badmintonfeld entspricht exakt den Maßen eines Pickleball-Courts. Portable Netze und Spielmaterial sind für einen dreistelligen Euro-Betrag anschaffbar. Über das BLSV-Förderprogramm „Schüler/innen lernen Sport" können Trainerkosten vollständig finanziert werden – die Einstiegshürde sinkt damit auf null.
Lehrer als Multiplikatoren & Bewegte Pause
Das Kollegium der Grundschule Wendelstein trifft sich seit einer gemeinsamen Pickleball-Teambuilding-Session monatlich zum Spielen – und wird so zum dauerhaften Botschafter für den Verein. Auf der ehemaligen Eisstockbahn des TSV entstehen zudem neue Pickleball-Plätze, auf denen künftig eine betreute „Bewegte Pause" für Grundschulkinder angeboten wird. Die Schule hat Pickleball dauerhaft in ihr Sportunterrichts-Portfolio aufgenommen.
So können Vereine starten
Der BTV hat auf den wachsenden Trend reagiert und einen eigenen Geschäftsbereich für Padel und Pickleball gegründet. Geschäftsbereichsleiter Moritz Coen sieht insbesondere in Schulen enormes Potenzial – und verweist auf einen praktischen Vorteil, der oft übersehen wird: Die Badminton-Linierungen, die in nahezu jeder Schulsporthalle vorhanden sind, lassen sich direkt als Court-Markierungen für Pickleball und Tennis-Kurzfeld nutzen. Neue Markierungen sind nicht nötig – die Infrastruktur ist bereits da.
Der Einstieg ist einfacher als gedacht:
- Kontakt zu einer nahegelegenen Grundschule aufnehmen
- Qualifizierten Trainer identifizieren
- Material organisieren (Netze, Paddles, Wiffle-Bälle, Stage-Red-Bälle, Kurzschläger)
- Unterstützung beim BTV anfragen: moritz.coen@btv.de
- Vier Unterrichtsstunden pro Klasse durchführen – mit anschließendem Vereinsangebot
Stundenbilder und Materialien des Wendelsteiner Projekts sind auf Anfrage erhältlich.
Mit der Untertsützung des BTV, Pickleball Unlimited, dem BLSV-Förderprogramm und dem Prinzip „Two Sports – One Court" haben Bayerns Tennisvereine alle Voraussetzungen, dieses Modell flächendeckend umzusetzen. Die Frage ist nicht, ob Pickleball kommt – sondern ob Tennisvereine diesen Trend aktiv mitgestalten und davon profitieren.
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