„Mehr als 80 Prozent der Vereine beschäftigen sich mit Hallenlösungen“
Peter Aigner (Mitte) mit dem Team der BTV-Vereinsberatung - Darius Voss, Julia Höhn, Lukas Emmerling und Marco Kummer (v.l.) - vor der Traglufthalle des TSV Otterfing.
Quelle: BTVHerr Aigner, Sie haben in Otterfing die BTV-Vereinsberater in Sachen Hallentechnik geschult. Warum war dieser Schritt nötig?
Die Entwicklung ist eindeutig: Infrastrukturfragen werden in den Vereinen immer wichtiger – oft sind sie inzwischen der zentrale Engpass. Wir können saisonale und ganzjährige Lösungen realisieren, sind aber nicht die offizielle Beratungsstelle und auch nicht täglich in jedem Verein im direkten Austausch. Deshalb war für uns klar: Unser Know-how muss in der Fläche ankommen. Wenn die BTV-Berater in der Erstberatung auch technische Grundlagen sicher einordnen können, lässt sich das Thema Hallenbau von Anfang an sauber, realistisch und vollständig besprechen.
Wie groß ist die Nachfrage in bayerischen Clubs nach temporären Hallenlösungen, die im Herbst aufgebaut und im Frühjahr wieder abgebaut werden?
Die Nachfrage ist sehr groß – schon vor Corona war das Thema präsent. Wenn ich es in eine Zahl fassen soll: Ich würde sagen, dass sich inzwischen deutlich über 80 Prozent der Vereine zumindest gedanklich mit einer Hallenlösung beschäftigen. Traglufthallen sind für viele Clubs eine gute Option, weil sie sich auf bestehenden Plätzen realisieren lassen und oft wirtschaftlich darstellbar sind – ohne zusätzliche Flächen zu versiegeln.
Aber die Hürden bei Bauantrag und Genehmigung sind oft hoch …
Genau deshalb ist die Vorberatung so wichtig. Wir erklären die Prozesse, helfen bei den richtigen Schritten und unterstützen das Ehrenamt dabei, die Gespräche gut vorzubereiten. Unser Tipp: früh mit Gemeinde/Stadt sprechen, idealerweise auch mit dem Bauausschuss, und eine Bauvoranfrage anstoßen. Wenn die Kommune hinter dem Projekt steht, ist es erfahrungsgemäß sehr schwierig, dass das Landratsamt es später noch stoppt – Ausnahmen sind selten und betreffen meist Umwelt- oder Wasserschutzauflagen.
Sprechen wir über die Kosten: Wir sitzen hier in Otterfing neben einer Zweifeld-Traglufthalle. Mit welchen Größenordnungen müssen Vereine für Einfeld-, Zweifeld- oder Dreifeld-Lösungen rechnen?
Man muss unterscheiden: Was kostet die Halle – und was muss außen herum noch geschaffen werden, etwa Energieinfrastruktur oder Technik- und Lagerflächen. Als grobe Richtwerte (inklusive typischer Nebenarbeiten) sehen wir häufig: Einfeld ab etwa 140.000 Euro, Zweifeld ab etwa 200.000 Euro, Dreifeld ab etwa 280.000 Euro.
Ganz pauschal kann man es aber nicht angeben, da es abhängig von den Gegebenheiten vor Ort und dem gewählten Hallenmodell ist. Ebenfalls ob es sich um eine saisonale oder ganzjährige Halle handelt. Aus diesem Grund erstellen wir für jedes Projekt eine individuelle Planung und Kostenrechnung abgestimmt auf die Wünsche und Gegebenheiten unseres Kunden, Partners.
Wichtig sind neben der Investition die laufenden Betriebskosten: Temperatur, Betriebszeiten und Dämmstufe entscheiden über den Verbrauch. Deshalb rechnen wir diese Punkte früh durch – denn ein günstigerer Kauf kann sich schnell relativieren, wenn die Nebenkosten dauerhaft deutlich höher liegen.
Die Energielage ist angespannt. Welche Auswirkungen haben Themen wie Gaspreise und Versorgungssicherheit auf Ihre Projekte?
Das ist ein wichtiges Thema – und es wird nicht verschwinden. Wir gehen damit selbstbewusst um, weil wir sehr auf Dämmung und Effizienz achten und dadurch in vielen Fällen niedrigere Verbräuche erzielen als marktüblich. Man muss aber fairerweise sagen: Bestimmte Konstruktionsarten im Tragluftbau setzen Grenzen. Die aktuelle Situation ist für die Branche aber auch ein Anstoß, weiterzuentwickeln – etwa beim Einsatz effizienterer Heiz- und Versorgungskonzepte.
Wir realisieren künftig die ersten Hallen mit Kombi- bzw. Hybrid-Einheiten, die sowohl mit Wärmepumpe als auch mit Flüssiggas betrieben werden können. Solche flexiblen Systeme werden aus unserer Sicht künftig wichtiger.
Grundsätzlich sind unsere Anlagen so ausgelegt, dass unterschiedliche Energiequellen möglich sind – etwa Flüssiggas, Gas, Fernwärme oder elektrische Lösungen, je nach Standort und Rahmenbedingungen. Entscheidend ist am Ende ein Konzept, das für den jeweiligen Verein bezahlbar und planbar bleibt.
Vereine können eine Traglufthalle kaufen und selbst betreiben – oder Ihr Partnerschafts-/Betreibermodell nutzen, bei dem AignerKarner Betrieb und Technik übernimmt. Wie verteilt sich die Nachfrage, und wie schätzen Sie den Markt ein?
Das Betreibermodell ist für viele Vereine eine zusätzliche Chance, die Umsetzung überhaupt zu ermöglichen. Nachdem wir gemeinsam kommuniziert haben, dass diese Option besteht, sind innerhalb von zwei Wochen rund 40 bis 50 neue Anfragen eingegangen – das Interesse ist also groß.
Für Bayern planen wir im Betreibermodell in den kommenden Jahren eine stabile und nachhaltige Zahl an neue Hallen pro Jahr – und wir merken, dass das bayerische Modell auch in anderen Bundesländern aufmerksam verfolgt wird. Wichtig ist uns in beiden Varianten – Kauf oder Betrieb – maximale Transparenz. Wir erstellen früh eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung, die Zahlen und Annahmen offenlegt. Und ja: Wenn wir als Betreiber einsteigen, sind die Zahlen in der Regel auch so, dass ein Verein es grundsätzlich selbst stemmen könnte – es geht dann oft um Risiko, Know-how und verfügbare Kapazitäten.
In einigen Projekten entwickeln sich auch Mischmodelle: Wir starten beispielsweise für einen Zeitraum, und nach einigen Jahren übernimmt der Verein – mit dem aufgebauten Know-how – den Betrieb, gegen eine definierte Ablöse. Oder der Verein übernimmt Buchung und Finanzen, während wir Auf- und Abbau sowie Technikservice verantworten. Gerade für technisch weniger erfahrene Clubs kann das attraktiv sein: Wir unterstützen beim Auf- und Abbau, sind während der Wintersaison erreichbar und – je nach Standort – in der Regel innerhalb weniger Stunden vor Ort. Zudem sind moderne Anlagen mit Sensorik und Fernzugriff ausgestattet: Viele Themen lassen sich per Videocall oder durch Anpassungen im System schnell lösen, weil Warnmeldungen bei Betreiber, Verein und Hersteller zeitgleich ankommen.
Abschließend: Ist die Partnerschaft zwischen BTV und Aigner/Karner für Sie schon jetzt ein Erfolgsmodell?
Ja – ich halte das für ein Modell, das bisher gefehlt hat. Viele Vereine stehen vor der Frage, wie sie ganzjähriges Tennis ermöglichen sollen, während Zeit und Ressourcen im Ehrenamt begrenzt sind. In der Kombination aus BTV-Struktur und unserem technischen Know-how können wir Sorgen nehmen, Prozesse erklären und Lösungen aufzeigen – selbst, wenn eine Umsetzung erst in zwei oder drei Jahren erfolgt. Und wir können auf zahlreiche Beispiele verweisen, bei denen es bereits gut funktioniert.