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Bayerischer Tennis-Verband

      

Michael Kohlmann: „Sehe uns nicht als Außenseiter“

Michael Kohlmann (foto: j. hasenkopf)

(08.09.2017) Das deutsche Davis Cup-Team reist ohne die Spitzenspieler Alexander und Mischa Zverev sowie Philipp Kohlschreiber zum Relegationsduell nach Portugal. Im Interview erklärt Kapitän Michael Kohlmann die Gründe für das Fehlen des Trios.

Herr Kohlmann, das deutsche Davis Cup-Team wird mit Jan-Lennard Struff, Cedrik-Marcel Stebe, Yannick Hanfmann und Tim Pütz nach Portugal reisen. Wie bewerten Sie die Chancen auf einen Sieg in Lissabon?

Es ist sicher eine Schwächung für uns, dass mit Alexander und Mischa Zverev sowie mit Philipp Kohlschreiber die im Ranking drei besten Spieler fehlen. Die Ausfälle sind schwierig zu kompensieren. Und dennoch fahren wir mit einem positiven Gefühl nach Portugal. Ich betrachte jede Partie als ausgeglichen, denke, dass wir in allen fünf Matches Siegchancen haben. Klar ist: Für die vier Jungs ist die Reise nach Portugal etwas ganz Besonderes, alle freuen sich wahnsinnig. Deshalb bin ich überzeugt, dass wir eine extrem konzentrierte Vorbereitungswoche erleben werden. Wir haben zwar vergleichsweise unerfahrene Spieler im Team, dafür einen eingeschworenen Betreuerstab. Als Außenseiter sehe ich uns nicht.

Was hat den Ausschlag für die Nominierung von Yannick Hanfmann gegeben?

Yannick hat in diesem Jahr starke Ergebnisse auf ATP-Level erzielt. Als er in München als Qualifikant das Viertelfinale erreichte, kannten ihn nur echte Experten. In Gstaad erreichte er, ebenfalls als Qualifikant, zum ersten Mal in seiner Karriere das Endspiel eines 250er-Turniers, besiegte unter anderem den portugiesischen Spitzenspieler Joao Sousa. Sand ist der Belag, auf dem er die besten Ergebnisse erzielt hat – sicher ein Vorteil in Hinblick auf Portugal. Hinzukommt, dass Yannick durch seine Zeit am College in den USA ein toller Teamplayer ist. Für ihn wird es nicht schwierig, sich in der Mannschaft zu etablieren.

Mit Alexander „Sascha“ Zverev fehlt Ihnen in Portugal der beste deutsche Spieler – warum?

Sascha war bis zur letzten Sekunde hin- und hergerissen, ob er mit nach Portugal reisen soll oder nicht. Sein Herz hat ja gesagt, er wäre wahnsinnig gern dabei gewesen, um die Mannschaft zu unterstützen. Am Ende haben er und sein Team sich entschieden, dass ihn eine einwöchige Umstellung auf Sand im Hinblick auf die wichtigen Turniere in den kommenden Wochen zu sehr belastet hätte.

Aus welchen Gründen haben Sie seinen Bruder Mischa und Philipp Kohlschreiber nicht nominiert?

Auch bei Mischa ist die Entscheidung in letzter Sekunde gefallen. Er hatte ursprünglich geplant, in Portugal dabei zu sein. Nach seinem Achtelfinalaus bei den US Open haben wir lange miteinander gesprochen, danach hat er entschieden, dass er nicht mitfährt. Letztlich haben verschiedene Gründe den Ausschlag gegeben: Im Match gegen Querrey hatte Mischa mit Schulterproblemen zu kämpfen, fühlte sich nicht hundertprozentig fit. Hinzukommt, dass er ein Spieler ist, der für die Umstellung auf einen neuen Belag eine längere Vorbereitung benötigt als andere Profis. Auch bei Philipp war der Belag ein Kriterium. Er hat mich vor einigen Tagen darüber informiert, dass er für Portugal nicht zur Verfügung steht, weil er eine Saison mit vielen kleineren Verletzungen hinter sich hat. Vor den US Open musste er das Masters-Event in Cincinnati absagen, weil er immer wieder mit Fußproblemen zu kämpfen hat. Eine erneute Umstellung auf Asche, zudem unter Best-of-Five-Bedingungen, traut er sich deshalb derzeit nicht zu.

Cedrik-Marcel Stebe gehörte 2012 im Relegationsduell in Hamburg gegen Australien zur Mannschaft, gewann damals das entscheidende Match gegen Lleyton Hewitt. Eine Erfahrung, von der er in Portugal profitieren wird?

Definitiv. Cedrik weiß, wie sich Matches im Davis Cup anfühlen, wie er in wichtigen und engen Situationen unter Druck reagiert. Die positive Erfahrung von 2012 ist ganz bestimmt ein Riesenvorteil für ihn. Zudem hat er bisher eine starke Saison gespielt, hat sich nach seinen vielen langwierigen Verletzungspausen endgültig zurückgekämpft und wird in der nächsten Woche erstmals seit rund fünf Jahren wieder unter den Top 100 platziert sein – und das nach harten Rückschlägen und dem Absturz in Ranglistenregionen jenseits der besten 1.000 Spieler.